Abgesang auf eine Arbeiterrepublik

Vortrag von Dr. Rolf Lindner (Prof. em. Humboldt-Universität Berlin)

14. Januar 2018, 11 Uhr im Foyer des Museum unter Tage

Als Herzkammer der Montanindustrie war das klassische Ruhrgebiet der Nachkriegszeit, das Rudolf Holtappel zu seinem Sujet machte, nicht nur eine monoindustriell geprägte Region. Es bildete auch eine „Arbeiterrepublik“, wie es ein Interviewter in einer Ruhrgebietsstudie so treffend ausdrückte. In dieser Republik war die innere Schichtung der Bevölkerung so schwach ausgebildet, dass man von einer egalitären Gesellschaft sprechen kann. Sie war durch eine Haltung der arbeitenden Bevölkerung charakterisiert, in der zweckrationales und wertrationales Handeln eine Symbiose eingingen: sich solidarisch zu verhalten war ein aus den Arbeitsbedingungen hervorgegangenes Gebot. Als wichtigstes Kriterium der Einschätzung des „Anderen“ galt daher nicht die Herkunft, sondern einzig, „wie er seine Arbeit machte“. Dieses Arbeitsethos, das dazu führte, dass „Malocher“ genannt zu werden, keine Beschämung darstellte, ist mit der schwerindustriellen Arbeit verloren gegangen. Und doch berufen sich die neuen „Imagineure“ auf dieses Erbe.

Der Eintritt beträgt 3 €, ermäßigt 1 €. Für Studierende der RUB ist der Eintritt frei.

Rudolf Holappel, Die letzte Schicht, 1964.
Rudolf Holappel, Die letzte Schicht, 1964.