INNOVATIVES VERMITTLUNGSPROGRAMM FÜR SCHÜLER

INNOVATIVES VERMITTLUNGSPROGRAMM FÜR SCHÜLER

"Warum ist das Kunst?" Diese Frage stellt sich oft Betrachtern zeitgenössischer Kunst, die häufig als unverständlich gilt. Mit der Entwicklung eines neuen Vermittlungsprogramms für Schüler haben sich Studierende des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Universität dieser Problematik gestellt und gemeinsam mit der Kuratorin Hilke Wagner ein Konzept für Schulführungen entwickelt, das ab September ins laufende Programm von Situation Kunst integriert wurde.

Ziel des Projekts ist es, die Schüler dazu zu ermutigen, sich unvoreingenommen über Kunst zu äußern und ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, da gerade die eigenen, unmittelbaren Eindrücke bei dieser "unverständlich" wirkenden Kunst oft zum Verständnis führen. Zudem soll die geringe Altersdifferenz zwischen den Schülern und Vermittlern zu einer möglichst entspannten Gesprächsatmosphäre beitragen.

Die Schulklassen sehen sich beispielsweise in einem Raum mit vier riesigen Stahlplatten konfrontiert, die, in den Ecken platziert, diagonal in den Raum ragen. Oder auch mit einer Installation mit fünf Diaprojektoren, die scheinbar nichts anderes tun, als periodisch auf die jeweils gegenüberliegende Wand ein Lichtbild zu werfen, das mal größer, mal kleiner wird. All dies schafft Verwirrung. Dass man es hier mit Werken der international renommierten Künstler Richard Serra und Gianni Colombo zu tun hat, ist in diesem Moment erst einmal zweitrangig. Die anfängliche Verwirrung wandelt sich schließlich schnell in neue, interessante Sinneseindrücke. Die Schüler erfahren, wie man mit dieser ungewöhnlich erscheinenden Kunst umgehen kann, machen sich ihre eigenen Gedanken und äußern diese auch.

Bei den Führungen durch die Anlage im Park von Haus Weitmar spielt die individuelle Wahrnehmung eine wichtige Rolle. Die Schüler werden ermutigt, die Räume und Werke auf sich wirken zu lassen und ihre eigenen Gedanken in Worte zu fassen. Es gibt dabei kein "wahr" oder "falsch", der persönliche Eindruck zählt. Dabei sorgt der geringe Altersunterschied zwischen Schülern und Studenten für eine lockere Gesprächsatmosphäre. Frontalunterricht und bloße Wissensvermittlung sind nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, ein Museum zu erleben, das mehr zu bieten hat als große Räume, in denen man möglichst leise sein muss und sich unter Umständen nur langweilt.

Das Projekt erfreute sich bereits kurz nach dem Start großer Beliebtheit. Schon zur offiziellen Auftaktveranstaltung besuchten über 40 Lehrer und Direktoren Situation Kunst. Seither nahmen schon mehr als 300 Schülerinnen und Schüler dieses Angebot wahr. Zahlreiche Schulklassen und Gruppen wurden in der Diskussion über die in Situation Kunst gezeigten Werke zum Nachdenken, Philosophieren und natürlich auch zum Lachen gebracht.

Anja Lapac, Mitinitiatorin des Projekts, erzählt begeistert: "Unsere Befürchtung, dass sich ganze Schulklassen dem Dialog entziehen könnten, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Die meisten Schüler arbeiten aktiv mit. Viele haben eine sehr ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit und entdecken schnell Dinge, die die erwachsenen Besucher oft erst nach einer ganzen Weile sehen."

"Es war für die Schüler und die begleitenden Lehrerinnen eine sehr erfüllte Zeit in Situation Kunst. Die Schüler fühlten sich verstanden und als junge ,Kunstexperten respektiert, so dass sie immer wieder gerne auf die Fragen und Erläuterungen eingingen.", berichtet die Lehrerin Imke Oelbermann von der Erich-Kästner-Gesamtschule in Bochum, die mit ihren Schülern bereits viermal in Situation Kunst war.

Unterstützt wird das Projekt durch das Bochumer Schulamt sowie vom Förderverein Situation Kunst - Haus Weitmar e.V. Es steht unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin i. R. der Stadt Bochum, Dr. Ottilie Scholz.

Führungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.
Einstündige Führungen kosten 35 Euro, eineinhalbstündige Führungen 50 Euro.

Nähere Informationen und Anmeldung unter info(at)situation-kunst[dot]de oder schule(at)situation-kunst[dot]de oder telefonisch unter 0234 2988901. Aus organisatorischen Gründen bitten wir darum, die Termine rechtzeitig, wenn möglich bereits 3-4 Wochen vor dem geplanten Besuch zu vereinbaren!