Begleitprogramm zur Ausstellung
Gespräch
19. November, 18 Uhr
Erinnerungskultur in Bochum
Wie lässt sich Erinnerungskultur in einer Gesellschaft aktiv gestalten, in der die Anzahl der Zeitzeugen schwindet? Welche Rolle spielen digitale Formen, institutionelle Verantwortung und zivilgesellschaftliches Engagement? Wie formt die Geschichte des Gedenkenortes die Erinnerung? Welche Zielsetzung hat Erinnerungskultur?
Im Gespräch mit PD Dr. Irmtrud Wojak (Leiterin Fritz Bauer Forum), Dr. Hans Hanke (Kortum-Gesellschaft Bochum e.V.), Dr. Kai Rawe (Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte) und Ingrid Wölk (Initiative Nordbahnhof Bochum e.V) werden die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven einer lebendigen Erinnerungskultur – mit Blick auf Bochum und darüber hinaus – in den Blick genommen. Moderation: Jacob Liedtke (Fritz Bauer Forum) und Dr. Eva Wruck (Stiftung Situation Kunst)
Vorträge
12. Oktober, 11 Uhr
Dipl.-Ing. M.Sc. Anne Mertins (Universität Kassel, Fachgebiet Landschaftsarchitektur)
Gestaltetes Erinnern. Über die räumliche Entwicklung der Gedenkstätte Ravensbrück
An Gedenkstätten von Konzentrationslagern durchdringen sich ganz unterschiedliche historische Räume. Basierend auf den Lagerkomplexen ist deren Entwicklung durch Umwandlungsprozesse und dementsprechend durch unterschiedliche Nutzungen geprägt. Dabei lassen sich am heutigen Raum die Beziehungen zwischen den historischen Räumen untersuchen und aufzeigen, was an den Orten bleibt, was überlagert wird und was verschwindet. Durch die landschaftsarchitektonische Gestaltung werden die historischen Räume und Nutzungsschichten in Gedenkstätten inszeniert. Die Untersuchung des gestalteten Raumes verspricht demgemäß, neue Erkenntnisse über die Repräsentation sowie über die Entwicklung der Nachgeschichte des Holocaust zu generieren.
Anne Mertins wird die Gestaltung und Entwicklung der Gedenkstätte Ravensbrück in den Blick nehmen und die Gedenkstätte u.a. in ihren verschiedenen Nutzungen, Erkenntnisgewinnen und gesellschaftspolitischen Haltungen, die das Gelände bis heute geprägt haben, vorstellen.
13. November, 18 Uhr
Dr. Christa Schikorra (Leiterin der Bildungsabteilung KZ-Gedenkstätte Flossenbürg)
Räume gestalten. Geschichtsvermittlung an Orten ehemaliger Konzentrationslager
Dr. Christa Schikorra geht es in ihrem Vortrag um Räume in Bildungskontexten - um Räume des Nachdenkens und Debattierens, um Räume der Begegnung - mit anderen Menschen an diesen Orten, mit dem, wofür diese Orte stehen, aber auch mit dem, was diese Orte ehemaliger Konzentrations- und Vernichtungslager sind: Verbrechensorte, Tatorte, Friedhöfe, Orte der Trauer insbesondere für Angehörige, steinerne Zeugnisse einer verbrecherischen Geschichte ungeheuren Ausmaßes.
Veranstaltungsort ist der Kubus von Situation Kunst.
Die Teilnahmegebühr beträgt 3 Euro inkl. Eintritt in die Ausstellung.
Stadtspaziergänge
mit Dr. Hans Hanke (Kortum-Gesellschaft-Bochum e.V.)
18. Oktober, 15 Uhr
Freigrafendamm
Vor 90 Jahren entstand der heutige Hauptfriedhof Freigrafendamm, dessen architektonische Ausführung in Westfalen das einzige vollendete und erhaltene Beispiel einer heroisch-faschistischen Staats- und Parteiarchitektur ist. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Friedhof in Bochum zu einem zentralen Ort der Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialisten geworden und dient u.a. als Ruhestätte der Opfer der NS-Zwangsarbeit von 1941 bis 1945. Der Rundgang mit Dr. Hans Hanke bietet Ihnen die Möglichkeit, Einblicke in die vielfältigen Formen der Erinnerung vor Ort zu erlangen.
15. November, 15 Uhr
Gewerkenstraße
Die Gewerkenstraße in Bochum ist die Adresse des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers der Zeche Lothringen, das in den 1940er Jahren im Stadtteil Gerthe errichtet wurde und bis heute weitgehend erhalten ist. Dort waren Menschen untergebracht, die von den Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit in den Bergwerken eingesetzt worden waren. Dr. Hans Hanke von der Kortum-Gesellschaft-Bochum wird durch die Siedlung führen, bei der es sich um eine der wenigen erhaltenen Zwangsarbeiter-Siedlungen in Deutschland handelt und die seit 2005 unter Denkmalschutz steht.
Treffpunkt: Gewerkenstraße / Bövinghauser Hellweg
Teilnahmegebühr: 5 € (bitte vor Ort bar entrichten)
Anmeldungen bitte an: info@situation-kunst.de
Kooperationen und auswärtige Veranstaltungen
29. Oktober, 19:30 Uhr
Unikino RUB
Filmvorführung A Real Pain (2024)
5. November, 16–17:30 Uhr
Führung durch die Bochumer Synagoge
27. November, 18–19:30 Uhr
Fritz Bauer Forum, Bochum
Erinnerungskultur neu denken.
Der Auschwitz-Prozess 1963–1965, Fritz Bauer und die deutsche Gesellschaft.
Vortrag und Gespräch mit PD Dr. Irmtrud Wojak
In diesem August des Jahres 2025 jährte sich zum 60. Mal das Urteil im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965. Das Verfahren, in dem zahlreiche Überlebende von Auschwitz erstmals vor einem deutschen Gericht aussagten, gilt als ein Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen.
Doch ist diese Erfolgsgeschichtsschreibung berechtigt? Welche Schlüsse zog der Initiator des Prozesses Dr. Fritz Bauer, selbst ein Überlebender des Holocaust und politischer Remigrant, damals hessischer Generalstaatsanwalt, aus dem an zwei Tagen verlesenen erschütternden Urteil? Was ließ den Juristen trotz aller Schuldabwehr in der deutschen Bevölkerung nicht aufgeben und trieb ihn bei der Aufdeckung der NS-Verbrechen immer weiter voran?
Der Vortrag der Historikerin Irmtrud Wojak setzt sich mit dem Auschwitz-Prozess im Kontext der Biografie Fritz Bauers und einer überkommenen Kultur der Erinnerung auseinander. Über das „Verbrechen erinnern“ wurde versäumt, so die Überlegung, zu fragen, was dies mit dem eigenen Handeln in der Gegenwart zu tun hat.
Die Bochumer Buchhandlungen Mirhoff & Fischer und Janssen stellen für die
Dauer der Ausstellung in ihren Geschäftsräumen ausgewählte Literatur und Sachbücher zusammen.
Öffentliche Führungen durch die Ausstellung
5. Oktober
2. November
30. November
jeweils 16 Uhr
Treffpunkt: Kubus, Ausstellungsraum
Private Führungsanfragen und Führungen für Schulklassen:
info@situation-kunst.de
0234 3217502
Publikation
Zur Ausstellung erscheint eine begleitende Broschüre (24 Seiten, 17 Abb., mit einem Text von Eva Wruck), Kosten: 3 €
Eintrittspreise
3,- Euro / 1,- Euro ermäßigt
Für Schüler:innen sowie Studierende der RUB ist der Eintritt frei.
