Donnerstag, 16. April 2026, 16 Uhr

Landschaft als Besitz

Ein Gespräch in der Ausstellung mit Prof. Dr. Carolin Behrmann
(Kunstgeschichtliches Institut der Ruhr-Universität Bochum)

Kaum eine andere Bildgattung ist so eng mit der Idee von Aneignung und Kontrolle verknüpft wie die Landschaft. Aus ökokritischer Perspektive erscheint sie nicht als neutrales Abbild „Natur", sondern als kulturelle Konstruktion, die Machtverhältnisse, Besitzansprüche und Eingriffe in ökologische Gefüge sichtbar macht – und zugleich verschleiert. Wenn Landschaften als Wandschmuck in privaten Räumen zirkulieren, wird nicht nur ein ästhetisches Objekt präsentiert, sondern symbolisch auch ein Zugriff auf Natur inszeniert: Das Dargestellte wird imaginär verfügbar gemacht und in Logiken des Eigentums überführt.

Seit ihrer Emanzipation als eigenständiges Bildsujet in der Renaissance, als sie sich von der Rolle bloßer Hintergrundkulisse religiöser Darstellungen löst, trägt die Landschaftsmalerei zur Herausbildung eines spezifischen Naturverständnisses bei. Die massenhafte Produktion holländischer Landschaftsgemälde im 16. und 17. Jahrhundert markiert dabei nicht nur einen kunsthistorischen Wendepunkt, sondern auch eine Phase intensiver ökonomischer Transformation, in der Natur zunehmend als Ressource, Handelsgut und verwertbare Fläche begriffen wird. Diese Perspektive wirkt bis in gegenwärtige Bildpolitiken fort, etwa in der touristischen Vermarktung „unberührter" Natur, die ihre eigene Inszenierung als konsumierbares Gut reproduziert.

Die enge Verschränkung von Landschaft, Ökonomie und Ökologie verweist auf eine Geschichte der Extraktion, Akkumulation und Erschöpfung. Landschaften werden in dieser Logik fragmentiert, nach ökonomischem Nutzen bewertet und entsprechend transformiert – oft mit irreversiblen Folgen für komplexe ökologische Zusammenhänge. Was als idyllisches Panorama erscheint, ist daher häufig Resultat tiefgreifender Eingriffe, deren Spuren im Bild ästhetisch überformt oder unsichtbar gemacht werden.

Zugleich ist die Landschaftsdarstellung selbst Teil dieser Prozesse. In Karten, Veduten oder Stadtansichten werden Territorien nicht nur dokumentiert, sondern geordnet, vermessen und damit verfügbar gemacht. Solche Bilder fungieren als Instrumente der Macht: Sie strukturieren Wahrnehmung, legitimieren Besitzansprüche, stabilisieren koloniale Expansionen und tragen zur Normalisierung ökologischer Ausbeutung bei. Aus ökokritischer Sicht gilt es daher, Landschaftsbilder nicht nur als Darstellungen von Natur zu lesen, sondern als aktive Medien, die an der Produktion jener Verhältnisse beteiligt sind, die sie scheinbar lediglich abbilden.

In diesem Gespräch in der Ausstellung wollen wir diesen Zusammenhang von Landschaft und Besitz anhand verschiedener Beispiele aus der Sammlung „Weltsichten" diskutieren.

Die Veranstaltung fndet im Museum unter Tage statt.
Teilnahmegebühr: 6 € (inkl. Eintritt in die Wechselausstellung)
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.