Dirk Reinartz: totenstill
Eine Ausstellung der Stiftung Situation Kunst im Kubus von Situation Kunst (für Max Imdahl)
© Nachlass Dirk Reinartz/Deutsche Fotothek, Stiftung F.C. Gundlach
2. Oktober bis 30. November 2025
Zur Ausstellung
Dirk Reinartz (1947–2004) hat im Anschluss an sein Studium bei Otto Steinert an der Folkwang Hochschule mit seinen nuancierten, zumeist schwarz-weißen Fotografien die Reportagefotografie und den Bildjournalismus in Deutschland geprägt. Neben seinen Auftragsarbeiten u.a. für die Magazine Stern, art und ZEITmagazin hat er sich in verschiedenen Fotobüchern hinterfragend mit deutscher Identität und dem Verhältnis von Geschichte und Gegenwart als aufmerksamer Beobachter befasst.
Mit deutscher Erinnerungskultur hat Reinartz sich besonders eindrucksvoll in der Serie totenstill auseinandergesetzt, die 1994 als Buch erschien und anschließend international in zahlreichen Ausstellungen gezeigt wurde. In diesem Werk kommt Erinnerungskultur in Bezug auf die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands anhand von Fotografien zum Tragen, die er zwischen 1987 und 1993 in den ehemaligen Konzentrationslagern aufgenommen hat. In Reinartz‘ Auseinandersetzung mit den baulichen Relikten der Lager und den teils von der Natur wieder eingenommenen Landschaften des Massenmords ist kein Mensch zu sehen, doch gerade in dieser Abwesenheit wird der Verlust, wird das Ungeheure der nationalsozialistischen Gräueltaten sichtbar. Dabei beschäftigte Reinartz die Frage, ob sich „die Menschenverachtung und Intoleranz in der Anlage und Architektur der Lager“ ausdrückt, ob „Bilder möglich (sind), die den industriellen Charakter der Menschenvernichtung ahnen lassen?“ (Dirk Reinartz)
Gerade weil die Fotografien aufgrund ihrer Menschenlosigkeit an die dort ermordeten Menschen erinnern, bewirken die Bilder ein sprachloses Entsetzen und fordern zugleich ihre genaue Betrachtung ein. Auf diese Weise tragen sie zur Aufklärung bei, rufen zu Wachsamkeit auf, wie sie bereits Christian Graf von Krockow in der Publikation der Fotografien im Jahr 1994 anmahnte: „Denn jede Wiederkehr des Unmenschlichen wird sich tarnen. Sie wird unerwartete Orte suchen und Verkleidungen wählen, um als ehrbar zu gelten. Dabei ist entscheidend, dass wir rechtzeitig erkennen, was sich anbahnt.“ (Dirk Reinartz: totenstill, Göttingen 1994)
Im Anschluss an die Ausstellung in Bochum werden die Fotografien vom 18. Dezember 2025 bis 15. März 2026 in der Kunsthalle Rostock zu sehen sein.
Zur Ausstellung erscheint eine begleitende Broschüre.
Kooperationspartner:
Fritz Bauer Forum, Initiative Nordbahnhof e.V., Jüdische Gemeinde Bochum, Kortum-Gesellschaft e.V., Stadtarchiv - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte, Studienkreis Film Ruhr-Universität Bochum
